So funktioniert genossenschaftliches Wohnen in der Villa Emma eG

Die im Jahr 2009 gegründete Villa Emma eG gehört zu den ca. 150 kleinen und mittleren Wohngenossenschaften, die in den letzten 20 Jahren als Gemeinschaftsprojekte in Deutschland entstanden sind. Bei ihr steht sowohl das Zusammenwohnen aller Generationen in sicherem und bezahlbarem Wohnraum als auch der Aufbau und die Weiterentwicklung einer nachbarschaftlichen Solidargemeinschaft im Vordergrund. Die Rechtsform der Genossenschaft mit ihren Grundprinzipien – solidarische Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstorganisation – entspricht diesem Ziel am besten

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Das Prinzip der solidarischen Selbsthilfe

Wir, ca. 23 Menschen aller Generationen, haben mit dem Zusammenschluss zur Villa Emma eG eine von der Nachbarschaft mitgetragene Wohn- und Lebenssituation geschaffen, die wir als Einzelne nur schwer hätten erreichen können. Für mehr als die Hälfte der BewohnerInnen ist die Villa Emma eine reale Alternative zur Heimunterbringung.

Der in der Satzung festgelegte Förderzweck der Villa Emma eG ist das Schaffen von preiswertem und sicherem Wohnraum für die Mitglieder der Genossenschaft. Insbesondere stellt die Genossenschaft Wohnraum für Menschen mit und ohne Bedarf an Pflege- und Hilfe zur Verfügung (§2 Abs. 1 der Satzung). Voraussetzung für den Bezug einer Wohnung der Villa Emma ist daher die Mitgliedschaft in der Villa Emma Genossenschaft (eG).

Darüber hinaus bauen wir auf die solidarische Unterstützung aus der Nachbarschaft und weiteren Umgebung, die sich ebenfalls zu einem Teil in der Mitgliedschaft der Villa Emma eG ausdrückt. Das verantwortliche Erfüllen der genossenschaftlichen Aufgaben wird zu einem großen Teil von diesen Mitgliedern erbracht.

Von den in der Villa Emma wohnenden Mitgliedern erwarten wir Interesse an der Mitgestaltung der Gemeinschaft und die Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung.

Die solidarische Selbsthilfe funktioniert praktisch so:

Wie werde ich Mitglied?

  • Nach Information durch die Webseite und z.B. Teilnahme an einer Informationsveranstaltung (u.a. das viermal jährlich stattfindende Info-Café in der Amaryllis eG) kann das Interesse an der Mitgliedschaft zum Wohnen in der Villa Emma, zur Investition oder zur Übernahme von Aufgaben für die Genossenschaft bekundet werden.
  • Die Entscheidung zur Aufnahme eines neuen ordentlichen Mitglieds für den Bezug einer Wohnung der Villa Emma fällt der Vorstand in Abstimmung mit den BewohnerInnen. Die Mitgliedschaft kommt zustande, wenn der Vorstand die Eintrittserklärung formal zugelassen hat und mindestens ein Genossenschaftsanteil (=€500, rückzahlbar bei Kündigung oder im Todesfall) sowie das Eintrittsgeld (€300) eingezahlt wurde.                                    

Es gibt ordentliche und investierende Mitglieder. Letztere wohnen nicht in den Häusern der Villa Emma eG. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand.

Wie bekomme ich eine Wohnung?

  • Freie Wohnungen werden i.d.R. auf der Webseite der Villa Emma eG ausgeschrieben.
  • Das wichtigste Mittel zum Erhalt einer Wohnung besteht in der Zusendung einer Interessensbekundung (z.B. durch Ausfüllung des dementsprechenden Fragebogens, der im Info-Café der Amaryllis eG ausgehändigt wird). Im Fall einer freien oder freiwerdenden Wohnung werden die InteressentInnen vom Vorstand angeschrieben. 

Wer eine Wohnung der Villa Emma beziehen will, muss Mitglied der Genossenschaft werden. Mit der Mitgliedschaft ist allerdings kein Rechtsanspruch auf eine Wohnung verbunden

Wieviel kostet die Wohnung?

  • Das Nutzungsentgelt beträgt €10,28 pro m² für freifinanzierte Wohnungen bzw. €5,43 pro m² für öffentlich geförderte Wohnungen. Für die Nutzung der Gemeinschaftsräume fallen €1,38 pro m² an. Es wird kein Unterschied bezüglich Lage und/oder Ausstattung der Wohnung gemacht.
  • Die Nebenkosten liegen aufgrund hocheffizienter Energienutzung je nach Verbrauch zwischen €1,20 und €2 pro m² und werden wie üblich jährlich abgerechnet.

Wie kündige ich die Wohnung und die Mitgliedschaft?

  • Für die Kündigung des Nutzungsvertrags gilt die gesetzliche Kündigungsfrist.
  • Für die Beendigung der Mitgliedschaft in der Genossenschaft ist eine schriftliche Kündigung erforderlich; sie wird nach Ablauf der zweijährigen Kündigungsfrist zum Jahresende wirksam. Das bezieht sich auch auf Einlagen.
  • Bei Übertragung der Einlagen auf ein anderes Mitglied (z.B. im Fall einer Nachfolge für eine Wohnung) entfällt die Kündigungsfrist.

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Das Prinzip der solidarischen Selbstverantwortung

Die solidarische Selbstverantwortung zeigt sich in der Villa Emma eG vor allem dadurch, dass wichtige Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Wie treffen wir Entscheidungen?

  • Die Meinungsbildungsprozesse zu zentralen, alle betreffenden Themen finden in den regelmäßigen Bewohner*innentreffen statt.
  • Diese erarbeitete Plenumssicht wiederum bildet die Grundlage für Geschäftsführungsbeschlüsse im Vorstand und – manchmal und bei grundsätzlichen Fragen – in den Mitgliederversammlungen.
  • Vorstand und Aufsichtsrat treffen sich ca. vier Mal pro und stimmen sich über anstehende Entscheidungen – die dann separat getroffen werden – ab.   

Ein weiterer Ausdruck des solidarischen Verantwortungsprinzips ist das Zeichnen von Genossenschaftsanteilen. Diese Einlagen – egal ob es sich dabei um Pflicht- oder freiwillige (also zusätzliche) Einlagen handelt – bilden den Grundstock für das Eigenkapital und damit das finanzielle Fundament der eG.

Wie hoch sind die Einlagen für die Wohnung?

Die wohnungsabhängigen Pflichteinlagen betragen €400 pro m² für freifinanzierte bzw. €150 pro m² für öffentlich geförderte Wohnungen. Diese Pflichteinlagen werden nicht verzinst und werden bei Auszug oder im Todesfall auf die Nachfolgepartei übertragen und so zurückgezahlt.

Welche weiteren Einlagen gibt es?

  • Jedes Mitglied kann bis zu €25.000 weitere (= über die Pflichteinlagen hinausgehende, freiwillige) Einlagen zeichnen und einzahlen. Bei nutzenden Mitgliedern – also solchen, die eine Wohnung der Villa Emma eG bewohnen – bewirkt dies eine Reduzierung des Nutzungsentgelts. Freiwillige Einlagen können gekündigt bzw. übertragen werden. Im Todesfall gehen die Rechte auf die Erben über.
  • Für Personen, die nur in die Villa Emma eG investieren wollen und die nicht in einer Wohnung der Villa Emma wohnen, gibt es die Möglichkeit der Übernahme von investierten Einlagen. Diese Einlagen werden entsprechend dem jährlich neu gefassten Beschluss der Mitgliederversammlung verzinst (z.Z. mit 2%).

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Das Prinzip der solidarischen Selbstverwaltung und Selbstorganisation

Die Selbstorganisation und Verwaltung der Villa Emma eG liegt bei den Mitgliedern und den von ihnen gewählten Vertreter*innen im Vorstand und Aufsichtsrat. Alle Mitglieder beteiligen sich daran entsprechend ihren (unterschiedlichen) zeitlichen Möglichkeiten, ihrer Motivation, den Stärken und Fähigkeiten sowie den genossenschaftlichen Notwendigkeiten.

Die Buchhaltung mit der Nebenkostenabrechnung wird durch eine externe Organisation erledigt, die zusammen mit dem Vorstand u.a. zur Erstellung des Jahresabschlusses eng mit einem Steuerberatungsbüro zusammenarbeitet.

Wie finde ich meinen Platz in der Selbstorganisation und -verwaltung?

Die zentrale Säule der Selbstorganisation der Villa Emma eG ist die ausgeprägte Zusammenarbeit mit einem großen Unterstützerkreis. Viele von diesen sind Mitglieder der Genossenschaft und tragen u.a. die Geschäftsführung (Vorstand), die Mitarbeit im Aufsichtsrat (zur Unterstützung und Kontrolle des Vorstands) und vielfältige andere Aufgaben (Mitarbeit im Kochteam, Hausmeisterfunktion, Gartenarbeit, Reinigung der Gemeinschaftsflächen u.ä.)

Mit wieviel Zeiteinsatz habe ich für Selbstverwaltung und Selbstorganisation zu rechnen?

  • Die Selbstverwaltung im engeren Sinn wird von den aus der Mitgliedschaft gewählten Gremien (Vorstand und Aufsichtsrat) geleistet. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den Mitgliedern des Vorstands, da dieser die Geschäfte führt. Der zeitliche Aufwand liegt bei den Vorstandsmitgliedern bei ca. 2 Stunden pro Person und Woche. Die Tätigkeit des Aufsichtsrats konzentriert sich auf die ca. vier Sitzungen pro Jahr, die Vorbereitung und Durchführung der Jahresmitgliederversammlung, der für diese Sitzungen notwendigen Vor- und Nachbereitungszeit sowie auf besondere Vorkommnisse im Zusammenhang mit der gegenüber dem Vorstand auszuübenden Aufsichts- und Unterstützungspflicht (Jahresabschluss, Prüfung, unvorhergesehene Ereignisse).
  • Der von BewohnerInnen der Villa Emma zu leistende zeitliche Aufwand für die Selbstverwaltung hängt ab von der Übernahme spezifischer Aufgaben (z.B. in den genossenschaftlichen Gremien, im Kochteam, in der Werkstatt, im Garten). Erwartet wird mindestens die Teilnahme an den regelmäßigen Bewohnertreffen.
  • Die Selbstorganisation wird deutlich gestützt von ehrenamtlich tätigen Menschen aus der Nachbarschaft und näheren Umgebung, von denen nur ein kleiner Teil Mitglieder in der Genossenschaft sind. Der Zeitaufwand ist abhängig von der Art der Mithilfe und variiert sehr stark.